Albie

Notizen

Die Albie (àl-bjè) sind Elben, beheimatet in den nördlichen Dschungeln des Inselreiches Qiemsua. Das Gesicht eines ihrer Rasse ist gekennzeichnet durch abgeschrägte Augen mit einer Farbe, die von grün über grau bishin zu fast schwarz geht. Es hat hoch liegende, dichte Augenbrauen und eine schmale, gerade und hohe Nase unter der eine wohlgeformte dünne Mundlinie verläuft, langes schwarzes Haar bedeckt das Haupt, spitze große Ohren stehen vom Kopf ab. Die Männer erreichen mit etwa dreißig Jahren eine entgültige Körpergröße von im Durchschnitt 1,78 Metern, die Frauen sind bei ihren letztendlichen ca. 1,83 Metern bereits im Alter von siebenundzwanzig bis achtundtwanzig angelangt. Insgesamt beträgt die Lebenserwartung der Albie etwa dreihundert Jahre, womit sie alle Kulturvölker Qiemsuas übertreffen. Das eigentlich einzigartige an den Albie ist aber die Magie, die sie niemals altern lässt. Auch wenn sich das Haar in den letzten fünfzig Jahren weiß färbt, bleiben die Gesichter der Albie stets verschont von Falten, die Körper werden nie fett und die Arme behalten auch im Alter ihre jugendliche Kraft. Das hohe Alter ist auch der Grund, warum man nur sehr wenige Kinder im Albieland beobachten kann. Bei einer Geburtenrate von etwa zwei Kindern im Leben der Frau wird klar, dass sich ihr Volk nur langsam vermehrt.

Lebensraum

Landesnatur

Die undurchdringlichen Dschungel auf Qiemsua - von den Albie auch Tiaoyal (Grünes All) genannt - erstrecken sich ununterbrochen über drei Fünftel der ganzen Insel. Sie bilden die Wiege der Elbenkultur und somit für den einzelnen Albie sehr wichtig. Dabei sind die großen Urwälder nicht allzu bequem. Befindet man sich darin, erblickt man am hellichten Tag kaum etwas. Die gewaltigen Baumkronen, die bis zu einhundert Meter in die Höhe ragen, lassen nur wenige dünne Lichtstrahlen auf die Flur durchkommen. Dennoch erstickt der Boden in mannshohen Gewächsen, Sträuchern und Dorngestrüpp, ohne Messer kommt man kaum durch. Die allgemeine Hitze außen ist im Dschungel kaum zu spüren, da es schwül, feucht aber doch warm ist. Wochenlange Regenfälle sind keine Seltenheit und führen stets zur Anschwellung der Pegel sämtlicher Flüsse und weiträumigen Überflutungen. Würmer und Egel, die tödliches Fieber hervorrufen, lauernde Giftschlangen und Milliarden malariabringende Mücken und Zecken, ganz zu schweigen von den 'großen' Gefahren auf Land, Baum oder Wasser, machen den Tiaoyal zu einem lebensfeindlichen Ort, wobei die Albie gegen die meisten der Viren, Gifte und Krankheitserreger von Natur aus resistent sind. Die Elben bewohnen diesen großen Komplex natürlich nicht überall. Eigentlich konzentrieren sich ihre Siedlungen auf die Ufer der beiden Hauptflüsse Shuemzu (lebendiger Fluss) und Singcia (südlicher Fluss) sowie die Ozeanküste. Die zahlreichen Nebenflüsse von Shuemzu und Singcia sind ebenfalls bevorzugte Siedlungsplätze.

Städte

Die nach dem Sturz von Alil groß gewordene Stadt Qimsao ('zentrale Hauptstadt') ist die Hauptstadt und mit zwei Millionen Einwohner auch am bevölkerungsreichsten. Sie liegt am Shuemzu und schließt mit ihrem Häusermeer an die Reisfelder der Ufer beiderseits an. Der prachtvolle Kaiserpalast bildet weiter landeinwärts eine von Mauern umringte Anlage, die eigentlich mehrere Gebäude enthält - neben der Elfenbeinhalle - eigentliche Residenz - gibt es die Arena, wo Verbrecher und Aufständische gegen einander kämpfen müssen. Außerdem findet sich hier die Hauptzentrale der Bingchiong, mehrere Tempel und Botschaften von eroberten Völkern. Die Stadt ist von anderthalbmannshohen Mauern umkreist, auch jeder Bezirk und sogar jede Straße wird ummauert. Nachts werden die Tore an Straßenein und -ausgängen zugesperrt, um die Bevölkerung kontrollieren zu können. Jedes Tor wird von Blumengardisten bewacht. Für wohl alle Albiestädte bindend sind die Türme, die mit ihren bis zu zwölf (im Normalfall sechs) Stockwerken über der Stadt ragen. Hier sind ebenfalls Wachen postiert und sie dienen auch als Kasernen und Waffenkammer.

Die größte Stadt am Singcia, Limawang, steht stellvertretend für ein Problem, mit welchem sich alle Städte des Südens konfrontiert sehen. Es sind Wesen, groß wie ein fünfstöckiges Gebäude, mit gewaltigen Kräften und großer Schnelligkeit gesegnet, die stets ungesehen die Städte angreifen. Sie kommen in der dunkelsten Nacht aus dem Dschungel, niemand weiß genau woher, aber alle wissen wozu – um zu töten. Das sichere Anzeichen, dass sich eine solche Kreatur nähert, sind die in der Fernde wippenden Baumkronen, welche offensichtlich von den Giganten beiseitegebogen werden, wenn sich diese wie riesige Maulwürfe durch den Dschungel graben. Wenn diese Schreckensträger dann nah genug an der Siedlung sind, lassen sie ihr seltsames Kreischen hören, bei dem einem das Blut in den Adern gefriert. Dann schlagen sie zu – schnell, unerwartet und brutal. Hinterher ziehen sie sich so rasch zurück wie sie kamen und hinterlassen keine Spuren. Sie sind der Grund, warum die Türme in Limawang und am Singcia die höchsten sind. Limawang ist als Glockenstadt bekannt, da jedesmal, wenn ein Unsichtbarer gesichtet wird, Warnglocken jeder Größe und Form die Stadtbevölkerung dazu alarmieren, sich in Sicherheit zu bringen.

Kultur

Technologie

Der technologische Stand der Albie ist als hoch zu bezeichnen. Eine hohe Schmiedekunst, eine für das ganze Imperium standardmäßige Zeichen(Silben-)schrift, Kenntnis in Mathematik wie Astronomie und das bürokratische Verwaltungssystem sind nur einige Elemente, die das bekräftigen. Die Albie besitzen aber keine vierrädrigen Wagen und der Bautyp der Dschunken erlaubt nur in Flüssen und an der Küste entlangzusegeln, da diese Segel- und Ruderschiffe für die Hochsee nicht geeignet sind.

Ernährung

Die Ernährung der Albie ist seit der Seßhaftwerdung in grauer Vorzeit rein vegetarisch und Völker, die sich von Fleisch ernähren, werden als primitiv und barbarisch angesehen. Das Hauptanbauprodukt ist der Reis. Die durch ovale, füllige Körner gekennzeichneten Sorten aus der Elbenzucht werden auf großen Plantagen in unmittelbarer Ufernähe angepflanzt, wo die Fläche regelmäßig überschwemmt wird und auch genug Licht hereinfällt. Aufgrund fehlender Jahreszeiten können die Ernten alle vier Monate, also dreimal im Jahr eingefahren werden. Der vom Fluss zurückgelassene fruchtbare Schlamm macht den Boden gleich wieder fruchtbar und so herrscht nie Nahrungsmangel, Hungerkatastrophen können jedoch durch Schädlingsbefall ausgelöst werden. Von kleinen Rüsselkäfern bishin zu trampelnden Elefanten muss sich der elbische Bauer vom Hals zu schaffen wissen. Neben dem Reis werden auch Zuckerrohr, Tee, Soja und Zitronengras angebaut, einmal jährlich gibt es eine große Ernte von Früchten aus dem Dschungel. Seit der Herrschaft des Drachenkaisers dürfen die Bauern ihre Erzeugnisse nicht selber in den Städten verkaufen, sondern müssen die ganze Ernte für kargen Lohn bei den Behörden abliefern, die die Nahrungsmittel einteilen und zu Lagerkammern transportiert. Diese Lagerkammern sind strategisch in allen Stadtvierteln verteilt, dort können sich die Städter für einen Wucherpreis das Essen erwerben.

Nutztiere

Tierzucht hat eine lange Tradition bei den Albie. Schon in wilder Vorzeit hatte man Äffchen dazu abgefertigt, Beute auf den Bäumen zu erlegen. Heutzutage ist die Jagd zwar verboten und geächtet, die Äffchenzucht aber besteht weiter. Diese kleinen, schwarzen, langschwänzigen Tiere sitzen häufig auf Schultern von hohen Personen und unterstreichen deren Status als angesehene Person. Zu sehr verschiedenen Zeiten lernte man auch, Papageien und Paradiesvögel zu fangen, Tiger und Krokodile als Wachtiere zu halten und Elefanten sowie Stygimolochs für den Lastentransport abzufertigen.

Häuserbau

Der Baustoff für fast alle Häuser ist natürlich zum großen Teil Holz aus den Tropenwäldern, mit einigen Bambuselementen. Ausnahmen von dieser Regel sind zum einen die Armenhäuser, die aus Erdlöchern bestehen, zum anderen die sehr vornehmen Häuser, also Paläste, Tempelanlagen, Grabkammern für Helden und einige Reichenresidenzen. Bei diesen nobleren Gebäuden kommt auch der seltene Stein zum Einsatz, die Dächer werden anstatt mit Schilf mit Ziegeln gedeckt. Der Baustil ist in grober Hinsicht dem chinesischen und japanischen gleichzusetzen, d.h. gebogene Dächer, massive, meist niedrige Wände und ein Stockwerk - hier bilden die vielen Türme (vgl. Pagoden) eine Ausnahme. Die Ziegel für die Dachdeckung werden bevorzugt gefärbt und geben den Gebäuden einen sehr kunstvollen Aspekt.

Gesellschaft

Staatsform

Albiemin, das Elbenland, ist die Hauptprovinz des Imperiums des Drachen Thiufion. Heute, mehr als 3000 nach Ankunft des Drachens, leben hier ungefähr zehn Millionen Albie. Die Städte im Süden am Singcia sind deutlich kleiner, was auf die häufigen Angriffe der Unsichtbaren zurückzuführen ist. Die Ballungszentren sind Qimsao, die Residenzstadt des Drachen, Angwaecun und Limawang. Die einst so prächtige Hauptstadt Alil wurde nach der Zerstörung durch Thiufion von demselben verflucht und nun ist es ein lebensfeindlicher Ort, in dessen dunklen Ruinen sich die grausigsten Kreaturen verbergen. Der Glanz der Elbenzivilisation wurde durch die Eroberung dieser Stadt angeschlagen und in einen Zustand der Unbeweglichkeit versetzt, von dem er sich bis heute nicht erholen konnte. Die alten Zeiten werden von den Albie nostalgisch als ‚rein’ bezeichnet, in denen alle Elben glücklich waren.

Der Kaiserdrache unterhält im einstigen Elbenreich, wie gesagt, sein Machtzentrum über das riesige Imperium. Logischerweise ist dies auch der Ort, wo man seine Macht am stärksten zu spüren bekommt. Der gesamte Machtapparat basiert auf der - Thiufion aufs loyalste ergebenen - Bingchiong ('blühende Garde'). Diese Streitmacht setzt sich aus männlichen Angehörigen aller unterworfenen Rassen zusammen, die bereits mit drei Jahren in die militärische Ausbildung geschickt werden, wo sie durch Propaganda, Gedankenkontrolle und militärischen Drill zu hasserfüllten Kampfmaschinen ihres Herrschers rekrutiert werden. Ferner umgibt sich der Drache mit elbischen Beratern, die mit ihm seinen Bürokratie- und Militärstaat verwalten. Doch nicht einmal in einer solch hohen Position ist man vor dem Gesetz wirklich sicher. Und das Gesetz heißt Thiufion. Wer auch immer den Zorn des Drachen auf sich zieht, muss sterben, seien es Aufständische, Beamte oder gar Palastdiener.

Grundsätzlich ist die Gesellschft der Albie eine stark bürokratische. Hier, im Kern des Imperiums kommt man ohne die notwendigen Papiere und Bescheinigungen nicht weit. Diese werden von einer bemerkenswerten Zahl an Behörden ausgestellt, wobei man wirklich ein Diplom in Rechtswissenschaften braucht, um durchzublicken, welche Behörde eigentlich wofür zuständig ist. Auch für Intrigen um Macht im Kaiserpalast ist die Bürokratie ein wirksames Mittel und Hunderte von ‚Papierkriegen’ sind bereits mit Tinte und Pinsel hinter den Palastmauern ausgefochten worden.

Die Elbenprovinz lässt sich grob in Schichten aufteilen. Die Oberschicht ist wohlhabend und ihre Angehörige können ein gutes Leben führen, solange sie sich mit keiner Zuckung ihres Körpers und ihrer Zunge öffentlich gegen den Kaiserdrachen stellen. Diese Schicht setzt sich zusammen aus alten Adelsgeschlechtern (darunter Beamte, Stadt- und Bezirksverwalter, Priester und Lehrer an Hochschulen). Auch Bauernsöhne mit Ausbildung können als Beamte in diese Schicht einsteigen. Die Mittelschicht sind die Bauern und die Handwerker. Sie bilden den größten Bevölkerungsanteil. Sie tragen die ganze Steuerlast der Elbenprovinz und sind der Willkür der Oberschicht ausgeliefert. Da sich das Geld auf die Oberschicht konzentriert, verdienen die Mittelschichtler so wenig, dass sie praktisch nie die Gelegenheit und Zeit haben, ihre Arbeit aufzugeben und auf Reisen zu gehen. Die Unterschicht besteht aus Heim- und Besitzlosen. Meist verloren diese ihr Hab und Gut durch die hohen Steuern. Da sie von den oberen Schichten missachtet werden, ist auch ein Mord an ihnen kein Verbrechen. Einige von diesen gemiedenen Albie versuchen, zu ihren Wurzeln zurückzufinden und gehen zurück in den dichten Dschungel, wo sie als Wilde fortexistieren. Es gibt auch welche, die in den Untergrund fliehen, wo sie Geheimorganisationen beitreten und auf den Sturz des Drachen hinarbeiten.

Religion

Die Bezeichnung Albie - leuchtende Wesen - entstand nach der Seßhaftwerdung der neun Stämme als Sammelbegriff für alle Albie. Er sollte wohl bedeuten, dass die Albie aus der Finsternis des Dschungels und der Wildheit in das Licht der Ufer und der Zivilisation eingetreten sind. Die Religion beinhaltete damals wie heute einen starken Dualismus, der die ganze Welt in zwei Bereiche spaltet. Es existieren keine Götter, aber magische Naturgeister, die Magie in sich tragen und in den sechs Elementen allgegenwärtig sind, aus denen die Welt besteht - Feuer, Wasser, Erde, Luft, Holz und Metall. Die Elemente des Lichtes sind Feuer, Luft und Holz, die der Finsternis Wasser, Erde und Metall. Auch Tiere, Orte, Gefühle und Farben lassen sich in das Schema eingliedern. Nur der Albie ist formbar und der Glaube überlässt es jedem selbst, eine Richtung zu wählen. Die wirkliche Weisheit, so wird von einigen Splittergruppen propagiert, solle nur durch den Einklang von Licht und Schatten erlangt werden können. Die Priester der Elben verwalten Tempel ohne dass Rücksicht auf ihren Standpunkt gesetzt wird. So meditieren Anhänger von Licht und Finsternis nicht in getrennten Tempeln, wohl aber in getrennten Räumen des Tempels. Der 'Lichtraum' besitzt hölzerne Wände, offene Fenster, einen Boden aus Gras und Feuerbecken, der 'Finsternisraum' hingegen ist dunkel, hat mit Eisenplatten behaftete Wände, irdenen Boden und ein Wasserbecken.

Berufe

Die größten Berufszweige sind die Bauern-, die Handwerker- und die Beamtenschaft. Letztere ist, wie bereits erwähnt, für die Verwaltung zuständig. Häufig haben diese Leute die erlesendsten Stammbäume und angemessenen Reichtum. Die Kinder der Beamten genießen eine gute Ausbildung an den Hochschulen und haben sogar die Möglichkeit, später auf Reisen auszuziehen. Der Adel ist außer der Blumengarde die einzige Gruppierung, die offiziell Waffen besitzen darf und neben der Priesterschaft die einzige magiewirkende Gruppierung. Arme Familien neigen dazu, ihr Kind mit drei Jahren in die Blumengarde einschreiben zu lassen. In der Ausbildung wird der Kleine aufs Brutalste erzogen, seinem Kaiser ein treuer und guter Diener zu sein. Bereits mit zehn werden die Gardisten – je nach Können – Abteilungen zugewiesen (Bogenschützen, Wachposten, Infanterie...). Imperiumweit ist die Blumengarde riesig und wohl keiner kennt die genaue Anzahl ihrer Mitglieder. Besonders in Qimsao und Umgebung kann man sie in ihren prächtigen Rüstungen fast an jeder Straßenecke sehen. Sie stehen da, mit leerem Blick, ohne eine Regung lassen sie die Passanten vorbeigehen. Doch der Schein trügt... in Wirklichkeit sind sie voll geistesgegenwärtig und jederzeit bereit, die Waffen zu ergreifen und diese auch zu benutzen.

Seit der Gründung des elbischen Kaiserreiches hat sich das Pantheon der Elben beträchtlich erweitert. Zwar ist die ‚Ur-Religion’ der Albie in der Elbenprovinz nach wie vor die am weitesten verbreitete, doch kamen mit der Zeit unter anderem auch religiöse Vorstellungen der Menschen und Oni in das Land. Diese Neureligionen wurden an das elbische Brauchtum angepasst. In den Metropolen entdeckt man Hunderte von Tempeln, wobei Tempel einer Religion nur in einem ihr zugewiesenen Stadtteil errichtet werden dürfen. Ausnahmen bilden Tempel der Ur-Religion und des Drachenkults. Letztere Glaubensrichtung ist auf Befehl Thiufions eingeführt worden und ist unfreiwillige Pflicht für einen Anhänger jeder beliebigen Religion. Die Priester der Ur-Religion und des Drachenkults, auch eigenständige Berufe, gehören zur Oberschicht, diejenigen anderer Glaubensrichtungen sind meist der Mittelschicht zuzuschreiben. Dabei sind Priester aller Religionen für die Wartung ihrer Tempel zuständig und darum bemüht, sich möglichst an den Drachenkult anzunähern, um die Sympathie Thiufions für ihre Religion zu sichern. In der Politik sind die Priester kaum von Bedeutung, die meisten sind nur damit beschäftigt, Angehörige anderer Religionen zu bekehren und die Tempel sauber zu halten.

Geheime Verschwörungsgruppen aus Kampfschulen und Verstoßenen sind auch in der Albie Provinz keine Seltenheit. Abseits der Städte und Straßen ist der Dschungel noch immer wild und rau und bietet ein Versteck für etwaige Befreiungskämpfer. Hier finden sich vor allem verstreut die seit Jahrtausenden verbotenen Kampfschulen, die es sich nun in der Wildnis zum Ziel gemacht haben, den Drachen auf ewig zu vernichten. Freilich ist es fast unmöglich, Angehörige dieser Gruppen oder gar ihre Lager zu finden, wenn sie nicht gefunden werden möchten und doch schaffen es immer wieder von den Behörden verstoßene Familien, wo sie herzlich aufgenommen werden.

Die Kleidungen der Albie sind entweder seiden oder aus Baumwolle. Stets wird aber darauf Wert gelegt, dass sie farbig sind, selbst bei den unteren Gesellschaftsschichten. Die Höhergestellten tragen robenartige Kleidung mit reichen Verzierungen und imponierenden Schulterplättchen bei Männern. Arbeitende Leute begnügen sich mit Kapuzenkaftanen und, je nach Arbeitstätigkeit, kurzen bis knielangen Hosen. Die Schuhe sind Sandalen mit Holzsohle. Wahrlich verziert sind auch die Dienstrüstungen der Bingchiong. Hier ist von einer Uniform keine Rede, da die Körperformen der verschiedenen Völker sich einfach zu sehr unterscheiden. Einziges Pflichtelement sind die Chrysanthemenfarben rot, weiß und gelb, die Zugehörigkeit des Gardisten klarmachen sollen. Die Rüstung eines Albiegardisten ist häufig mit der eines Samurai zu vergleichen, wobei die Elben keine Masken tragen und stattdessen sehr verzweigte und geschwungene Hörner am Helm bevorzugen.

Handel

Seit der Imperiumserweiterung handeln die Albie mit wem sie nur können. Die Haupthandelsgüter sind Reis, Früchte, Tropenholz und Tiere. Gekauft werden bei den Pie vor allem Pferde, Kohl und Ziegel, bei den Ruong Waffen und Schwarzstein, bei den Maorzûm Hausdiener und Holzprodukte. Mit den Gieo wird nicht gehandelt, da diese weder über etwas wertvolles verfügen, noch genug Sinn und Interesse für Geschäfte aufweisen. Viele Erzeugnisse der Teilprovinzen des Drachenreiches werden natürlich unter elbischer Aufsicht gefördert und können nicht gehandelt werden, da sie Staatseigentum sind. Von freiem Markt kann natürlich nicht die Rede sein. Die Elbenstädte sind über ein gut funktionierendes Netz von breiten Pflasterstraßen miteinander verbunden, es besteht eine Verbindung nach Norden zur Piemin, von wo sich auch Seitenzweige zur Ruongmin und zur Maorzûmmingebiete gehen. Die Aemsimküste ist nur auf dem Seeweg zu erreichen. Die Währung ist der Vai - eine Münze, die je nach Wert aus Elfenbein (1 Vai), Gold (10 Vai) und Jade (100 Vai) bestehen kann. Diese Runden oder quadratischen Münzen sind verziert und weisen in der Mitte ein Loch auf, mit dem solche Münzen an einer Schnur um den Hals des Besitzers angebracht werden können.

Geschichte

Als charakteristisches Merkmal für fast alle Albie lässt sich die Liebe zum eigenen Volk und zur eigenen Kultur festhalten. Letzteres ist auch nicht unbegründet, wenn man bedenkt, was die Albie in der Zeit ihrer Existenz erreicht haben. Niemand weiß, wann und woher sie in den Dschungel kamen und sagenumwobene Geschichten schwirren um den Ursprung dieses Volkes und auch über die Zeit, in der seine Kultur noch in den Kinderschuhen steckte. Ausnahmslos alle diese Geschichten sind von Albie verfasst worden und entstanden nach der mündlichen Überlieferung. Hier eine verkürzte Darstellung ihrer (angenommenen) Geschichte.

Überlieferung der Albie

Zu Beginn der Zeit, als die Welt noch jung war, bewohnten die Elben entlegene Teile des dichten und düsteren Urwalds. Sie lebten wie Wilde auf den Kronen der Bäume, jagten mit Waffen aus Stein und Holz und gliederten sich in neun Clans. Sie trugen spärliche Kleidung, pflegten Kontakt mit den Göttern, durch ihre spirituelle Verbindung mit der Natur und den allgegenwärtigen Magiegeistern war es ihnen auch möglich, Feuer auf magischem Wege zu erzeugen. Weil Sesshaftigkeit den Elben fremd war, besiedelten sie stets nur eine zeitlang ein Gebiet, aßen Tropenfrüchte und das Fleisch der dort lebenden Tiere, zogen dann weiter, wenn die Nahrung knapp wurde. Untereinander kreuzten sich die Wege der Clans dabei selten, und wenn, dann war das Verhältnis misstrauisch bis kriegerisch und Austausch von ranghohen Frauen diente dazu, die erstere Gesinnung aufrechtzuerhalten.

In diese dunkle Zeit wurde ein Mann hineingeboren, Leibaong, ein Anführer des Yiru Clans, welcher westlich des großen Shuemzu-Flusses Lager bezog. Im Verlauf der letzten Jahre seines Lebens schaffte es der König, den seinigen und den zur selben Zeit am anderen Flussufer residierenden Edian Clan auszusöhnen und führte durch die Heirat einer Edian-Anführerin zur Vereinigung der Clans. Drei Jahre später befahl er auf seinem Sterbebett, seine Asche als Siegel des Bündnisses (zwischen den Ufern) auf einer Insel zu verstreuen, die unweit des Lagers in der Mitte des Shuemzu herausragte. Der Befehl wurde ausgeführt und wie durch ein Wunder fand man einige Monate später die ganze Insel mit einer seltsamen Pflanze zugewachsen. Das wunderte die Elben, denn die Insel war zuvor kahl und wurde immer wieder durch den steigenden Wasserpegel überflutet. Zur größten Verwunderung fand man heraus, dass die kleinen weißen Früchte dieser seltsamen Pflanze wunderbar schmeckten und satt machten.

Die Umwandlung von Jägern zu Reisbauern begann. Nach einiger Zeit wurden beide Uferseiten zum Anbau genutzt. Die Überschwemmung brachte jährlich mehrmals reiche Ernten ein und nach und nach kamen auch die anderen Clans dazu, weil angesichts der neuen Nahrungsquelle keine Wanderungen mehr nötig waren. Durch den verstärkten Kontakt zu den Volksgenossen und eine größere Freizeit wurde für die Elben eine neue Geschichtsepoche eingeleitet. Für die geeinten Elbenstämme fand sich der Begriff Albie (Licht-Wesen), was mit ihrer aufblühenden Religion in Bezug zu setzen war. Bald war Stahl bekannt und man musste sich nicht mehr mit unhandlichem Stein behelfen. Bald erfand man die Seide- und auch die Baumwollherstellung und man fertigte prächtige Kleidung. Erfindungen wie Häuserbau, Keramik, Schrift, Reispapier usw folgten in Abständen und bereits und die Albiezivilisation erblühte (auch die Künste Musik, Tanz, Literatur, Malerei, Kalligraphie und die ganzen militärischen Disziplinen bildeten sich in dieser Periode aus). Prächtige Städte waren entstanden – allen voran zu nennen ist Alil, die ‚Lichterne Feste’, erbaut an ebenjenen Ufern, wo einst die Clans Yiru und Edian sich vereinigten.

Durch ihren technologischen Stand gelangten die Albie zu der Überzeugung, die mächtigsten Geschöpfe in ihrem Land (damals wussten sie noch nicht, dass sie auf einer Insel leben) zu sein, auch dachten sie, sie wären die einzige ‚intelligente Rasse’, doch bereits einige Zeit nach der Besiedlung des nördlichen Shuemzu Knies brachten Reisende die Kunde von einer fremden Rasse, die in den Wäldern im hohen Norden leben, den Menschen (Pie). Zu dieser Zeit umfasste das Land der Albie die Ufer und das nähere Umfeld der Flüsse Shuemzu und Singcia und deren Nebenflüsse (deren es so wenige nicht gab). Auch die Besiedlung des Mündungsgolfküste von Shuemzu war bereits im Gange. Die Menschen aus den nördlichen Wäldern wurden von den Albie wegen ihrer rauen Sitten und wilder Lebensführung hinterm Fäustchen als dumme Barbaren verspottet.

Nach der Kontaktknüpfung blickten die Menschenstämme ihrerseits gen Süden. Neid und Habgier sähten die wenigen, welche aus dem ‚übersättigten’ Elbenreich in die Heimat zurückkehrten. So währte es nicht lange, bis die lokalen Häuptlinge Heere in den Dschungel schickten, mit dem Ziel, die reichen Städte zu erobern oder zu plündern. Dies war natürlich ein Himmelsfahrtskommando, da die Albie zwar (im Vergleich zu den Menschen zumindest) nicht viele Krieger hatten, diese waren dafür weit besser ausgerüstet und beherrschten den Krieg im dunklen Dschungel perfekt. Die elbischen Generäle lachten sich einen Ast über die Unfähigkeit der Menschen und expandierten ihrerseits. In nur zwanzig Jahren waren die wichtigsten menschlichen Städte (wenn man die dortigen Ansammlungen von Schmutz und Essensresten denn so nennen will) in elbischer Hand. Die Piemin (Mensch-Lande) wurden Teil des Imperiums, welches nun den Namen Imperium zurecht trug. Die neuen Machthaber verpflichteten die Leute zu Tributarbeit, brachten aber andererseits ihre Zivilisation in das Gebiet. Die Menschen saugten das neue Wissen begierig auf und lernten schnell. Auch der Handel verbesserte sich. Das stolze Imperium sollte in seine eine gute Zeit erleben.

Doch währte diese nicht ewig. Denn der Drache Thiufion beobachtete schon seit einiger Zeit die aufstrebenden Elben. Wie alle Lebewesen waren sie ihm zuwider, zudem, weil sie sich anmaßten, sich als Mächtigste von Allen zu bezeichnen. Eines grauen Tages fuhr ein greller Blitz vom Himmel und der smaragdgrüne Drache erschien über der Hauptstadt Alil. Er forderte die Elben auf, sich seiner Macht zu unterwerfen, doch diese ließen sich nicht beeindrucken. Da begann Thiufion wie in Rage, die Stadt zu verwüsten, die meisten der zum Zeitpunkt vier Millionen Einwohner kamen ums Leben, die stolze Hauptstadt wurde von einem Tag auf den Nächsten zu einer Ruinenlandschaft. Der Rest des Reiches musste die Waffen in Ohnmacht strecken. Das Imperium der Albie und der Pie wurde Thiufion untertan. Damit kam eine Wende für die gesamte Inselgeschichte.

Herausragende Personen

Bei den Albie sind ruhmreiche Vorfahren ein Privileg. Bis vor die Drachenzeit zurückzuführende Stammbäume werden teuer gehandelt und wer berühmte Ahnen vorweisen kann, dem ist gesellschaftliche Anerkennung gewiss. Ruhmreiche Personen und deren Nachkommen werden bei den Albie hoch geschätzt. Dabei wird nur denen, die wirklich Überragendes geleistet haben, die Ehre zuteil, Schutzpatron einer Gruppe zu werden und einen eigenen Feier- und Verehrungstag zu bekommen. Einer, der es geschafft hat, ist Leibaong, der erste Clanherr und Begründer des Albie-Staates. Er wird nach seinem Tode als Schutzpatron der Reisbauern angesehen, wird aber auch von höheren Schichten verehrt. Das besondere an Leibaongs Feiertagen ist, dass sie jährlich dreimal stattfinden - jedesmal nach der Reisernte.

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